Sonntag, 18. Juni 2017

"halbleer"!

WB.freitagsblog (9.6.2017)

"Es kommt nichts besseres nach", das hat schon meine Mutter gewusst und sie hat es von ihrer Mutter gehört und diese wiederum...

Dabei ist es schlicht nicht wahr: 1850 war der Anteil der Armen  gleich oder weniger als die Kaufkraft von 1 € /Tag) in Europa durchschnittlich bei fast 80%, heute sind es 18%. Die Kriminalitätsraten sinken hier von Jahr zu Jahr, trotzdem haben Menschen mehr & mehr Angst, wovor?

Bei jeder neuen Erfindung wird sofort davon gesprochen, was das jetzt wieder für neue Gefahren bringt. Ich bin alt genug, damit ich mich noch an die Hysterie erinnern kann, als Mikrowellenöfen erfunden wurden. Heutzutage hat praktisch jedes Restaurant einen. Die e-Card ist angeblich total gefährlich und braucht eigene Gesetze. Das führt dazu, dass, wenn ich als Diabetiker auf der Straße ohnmächtig werde, und es gibt keinen Funkempfang zur Zentrale, auch die Rettungsmannschaften weder von meiner Erkrankung wissen noch meine Blutgruppe kennen. Das kann schlimmstenfalls meinen Tod bedeuten.

Was ist so schlimm daran, wenn alle alles wissen? Wieso gelingt es uns nicht, auch die Möglichkeiten zu sehen, die meistens größer sind als die Risiken? Warum schauen wir immer zur negativen Seite hin? Manche Menschen sagen mir, damit man nicht enttäuscht werden kann. Aber das stimmt nicht: wenn wirklich mal ein Missbrauch passiert, fühlt man sich trotzdem enttäuscht.
Ist das wirklich ein Erfolgsrezept, sich ständig in der latenten Enttäuschung zu halten, damit dann der Unterschied nicht so spürbar ist? Vielleicht könnten mögliche Enttäuschungen und negative Erlebnisse viel besser handhabbar erlebt werden, wenn man normalerweise ein frohes und entdeckungsreiches Leben lebt! Kinder werden, insbesondere am Anfang ihres Lebens, praktisch dauernd mit ihren eigenen Misserfolgen konfrontiert. Dann weinen sie und suchen Trost. Un dann rennen sie wieder los, zum unvermeidbaren nächsten Scheitern.

Vielleicht können wir deshalb nicht mehr erfreut & wissbegierig & ein bisschen riskant leben, weil wir uns nicht gestatten, bei negativen Erlebnissen aus tiefster Seele zu heulen, zu weinen und uns trösten zu lassen.